{"title":"Für die guten und die schlechten Zeiten: Automatic von VNV Nation","slug":"vnv-nation-automatic-review","url":"https://www.romanjasiek.de/vnv-nation-automatic-review/","published_at":"2012-11-20T05:45:00.000Z","updated_at":"2026-10-03T18:45:26.000Z","excerpt":"Wenn man einen Blick auf die Facebook-Seite von VNV Nation wirft, dann gewinnt man recht schnell den Eindruck, dass die Entstehung des aktuellen Albums Automatic unter keinem guten Stern stand. Vieles ist in der Produktion schiefgelaufen, jede Menge Probleme häuften sich. Und doch haben wir es nun endlich vorliegen, das Album, von dem die Band selbst sagt, es scheine fast so, als wenn das Universum sie auf eine harte Probe stellte, damit sie das beste Album machen, das ihnen möglich ist. Unter u","meta_description":null,"html":"<p>Wenn man einen Blick auf die <strong>Facebook-Seite</strong> von <strong>VNV Nation</strong> wirft, dann gewinnt man recht schnell den Eindruck, dass die Entstehung des aktuellen Albums <strong>Automatic</strong> unter keinem guten Stern stand. Vieles ist in der Produktion schiefgelaufen, jede Menge Probleme häuften sich. Und doch haben wir es nun endlich vorliegen, das Album, von dem die Band selbst sagt, es scheine fast so, als wenn das Universum sie auf eine harte Probe stellte, damit sie das beste Album machen, das ihnen möglich ist. Unter uns, Freunde – wir sind sehr geneigt, diese Einschätzung zu teilen.</p><p>Wir haben sie eben kurz angerissen, die widrigen Umstände in der Produktion des Albums. Von technischen Defekten aufseiten der verwendeten Computer über zahllose Software-Abstürze, Wespenstiche direkt ins Auge, Mikrofone die direkt während der Aufnahme ihren Geist aufgaben, bis hin zur Lebensmittelvergiftung reicht die Bandbreite der Pannen, welche die Produktion nicht nur verzögerten, sondern auch unheimlich erschwerten. Aber wie ebenfalls anfänglich erwähnt: <strong>Ronan Harris</strong> und <strong>Mark Jackson</strong> teilen das Gefühl, dass das Universum das sympathische Duo auf eine harte Probe gestellt hat, damit sie weit über die bisherigen Schaffensgrenzen hinausgehen, alles noch einmal überdenken, überarbeiten, im Zweifelsfall noch einmal von vorn angehen, nur damit unterm Strich – mit der Veröffentlichung von <strong>Automatic</strong> – das beste <strong>VNV-Nation-Album</strong> in die Läden kommt, zu dem sie (zumindest derzeit) fähig sind.</p><p>Von der emotionalen Seite und dem Umstand, dass die Musik <strong>VNV Nations</strong> wie eine Art Tagebuch <strong>Ronan Harris</strong>’ fungiert, abgesehen, war das Ziel, einen „retro-futuristischen“ Sound zu schaffen. Das Artwork von <strong>Automatic</strong> im Art-déco-Stil unterstreicht das. Aber was will uns retro-futuristisch sagen? Nun, viele Songs verfügen über weitläufige Synthie-Flächen und Sequenzer-Ebenen, die irgendwie an die 80er Jahre erinnern. Und doch gleichzeitig frisch und modern, nahezu (r)evolutionär daherkommen. Das hat also geklappt. Zudem wirken <strong>VNV Nation</strong> wieder deutlich synthetischer, elektronischer, verspielter und experimentierfreudiger als zuletzt bei <strong>Of Faith, Power &amp; Glory</strong>. Ich möchte nicht abstreiten, dass <strong>Ronan</strong> und <strong>Mark</strong> damals mit der gleichen Mühe und Sorgfalt ans Werk gegangen sind wie nun bei <strong>Automatic</strong>, dennoch wirkte das letzte Album zumindest auf mich viel zu glatt, viel zu sehr mit der heißen Nadel gestrickt und auf Airplay-Tauglichkeit getrimmt, als dass es bei mir längerfristig in Rotation geblieben wäre. Von <strong>Sentinel</strong> mal abgesehen. <strong>Automatic</strong> ist wie das fehlende Bindeglied zwischen <strong>Futureperfect</strong>, <strong>Matter + Form</strong> und <strong>Judgement</strong>. Ein Brückenschlag aus der musikalischen Vergangenheit der Band in eine strahlende, neue Zukunft, um mal die von <strong>VNV Nation</strong> gerne bemühte Metapher des Lichts, das den Weg weist, beizubehalten.</p><p><strong>Automatic</strong> leistet sich den Luxus, auch wieder sperrige, experimentellere Songs zu präsentieren. Das vorab kostenlos als Download verschenkte <strong>Control</strong> ist das Paradebeispiel dafür. Der direkte Erbe zum Überhit <strong>Chrome</strong>, wenn Ihr mich fragt. Und einer der stärksten <strong>VNV-Nation-Songs</strong> überhaupt! Was auf <strong>Automatic</strong> komplett fehlt, sind die rein instrumentalen Geballer-Tracks, die letztlich aber womöglich niemand so wirklich vermissen wird. Die vorhandenen Instrumentalsongs auf <strong>Automatic</strong> fühlen sich eher wie Filmmusik an; wie eine Art Übergang zwischen unterschiedlichen Stationen (von mir aus auch Stimmungslagen) des Albums. Zunächst fängt es mit den Songs <strong>Space &amp; Time</strong> und <strong>Resolution</strong> durchaus partytauglich an und wird dann zum Ende hin immer melancholischer. Sei es nun aufgrund der musikalischen Ausgestaltung oder aber aufgrund der textlichen Inhalte (wie etwa im Abgesang auf das letzte Jahrhundert, <strong>Streamline</strong>, oder beim ergreifend schönen <strong>Nova</strong>). Ebenfalls wieder vorhanden: der Bezug zum „never ending light“, ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch alle jüngeren <strong>VNV‑Nation-Alben</strong> zieht. Hier in Form des letzten Tracks <strong>Radio</strong>.</p><p>Keine Frage: Musik ist immer dann am besten, wenn sie Emotionen weckt. Oft genug passiert es, dass ich Musik serviert bekomme, bei der ich mir denke: „Och, joar, ist ja ganz nett“&nbsp;– aber sonst weiter nichts passiert. <strong>VNV Nation</strong> haben es im Laufe ihres Bestehens allerdings immer wieder geschafft, mich tief im Inneren zu berühren, mir eine musikalische Heimat zu geben, wenn ich mich ansonsten in der Welt wieder einmal ziemlich verloren gefühlt habe. Sei es nun mit <strong>Beloved</strong>, <strong>Illusion</strong> oder <strong>Holding On</strong>, um nur ein paar Songs zu nennen. Immer wieder treffen <strong>Ronans Texte und Musik</strong> genau den Punkt in mir, der mich andächtig innehalten lässt, zu Tränen rührt oder ausgelassen feiern lässt. <strong>Automatic</strong> reiht sich nahtlos ein in diese Tradition. Vor allem <strong>Gratitude</strong>, <strong>Nova</strong> und <strong>Radio</strong> bescherten mir einen richtig dicken Kloß im Hals. Ich hörte <strong>Automatic</strong> das erste Mal im Auto, während das Wetter allein schon dafür sorgte, dass ich mit ambivalenten Gefühlen unterwegs war. Dann diese Songs, diese einmalige Stimmung, die sie transportieren – und ich war verloren in der Musik. Gibt nicht viele Bands, die das zu schaffen in der Lage sind. <strong>Automatic</strong> ist sicherlich mit Abstand das emotionalste und gleichzeitig auch optimistischste <strong>VNV‑Nation-Album</strong> bisher. Wenn ich das nächste Mal an der Welt verzweifle, gibt es ja nun zum Glück ein <strong>Gratitude</strong>.</p><p>Unterm Strich: <strong>Automatic</strong> ist ein Werk geworden, auf das <strong>Ronan</strong> und <strong>Mark</strong> extrem stolz sein können. Allen Widrigkeiten zum Trotz haben sie hier ein Meisterwerk geschaffen, das die allermeisten <strong>VNV‑Nation-Alben</strong> überragt. Angesichts der Dichte an Hochkarätern auf dieser Scheibe kann man fast froh sein, dass das Universum die Band so geprüft hat. Viel besser kann ein Album nämlich nicht mehr werden. Hätte ich ein Wertungssystem, hier würde ich wohl 10 von 10 Punkten oder eine 1+ mit Bienchen vergeben. Da wir auf solche Albernheiten aber verzichten, beende ich dieses Review schlicht mit den Worten: Das war extrem gute Arbeit, meine Herren!</p><p>Musik ist für mich wie eine Art beste Freundin. In guten Zeiten feiern wir zusammen, in schlechten hilft sie mir durch schwere Tage. Und nicht immer sind wir einer Meinung. Ähnlich verhält es sich mit dem Tun von <strong>VNV Nation</strong>. Die Musik dieser Band begleitet mich schon sehr lange und nicht immer bin ich mit dem einverstanden, was Ronan und Mark aus dem Ärmel schütteln. Von <strong>Of Faith, Power &amp; Glory</strong> beispielsweise halte ich bekanntermaßen nicht viel. Muss ich aber auch nicht, an meiner Beziehung zu <strong>VNV Nation</strong> ändert das nichts. Stichwort Loyalität, you know. <strong>Automatic</strong> allerdings ist ein neuer Meilenstein in der Geschichte von V<strong>NV Nation</strong>. Ich werde mit der Mucke dieser Scheibe gute Zeiten erleben und dazu abfeiern (<strong>Resolution</strong>, <strong>Space &amp; Time</strong>, <strong>Control</strong>), sie wird mir durch weniger gute Tage helfen (<strong>Nova</strong>, <strong>Radio</strong>). Und dieses Mal sind wir auch wieder einer Meinung: Die viele Mühe hat sich gelohnt! <strong>Ronan</strong>, <strong>Mark</strong> – vielen, vielen Dank für dieses endgeile Album! Ich erhebe mein Glas und stoße mit Euch auf eine gemeinsame Freundin an. Cheers!</p><figure class=\"kg-card kg-image-card kg-card-hascaption\"><img src=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/vnvnation_automatic.jpg\" class=\"kg-image\" alt=\"\" loading=\"lazy\" width=\"2000\" height=\"2000\" srcset=\"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w600/2026/09/vnvnation_automatic.jpg 600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1000/2026/09/vnvnation_automatic.jpg 1000w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w1600/2026/09/vnvnation_automatic.jpg 1600w, https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/size/w2400/2026/09/vnvnation_automatic.jpg 2400w\" sizes=\"(min-width: 720px) 720px\"><figcaption><span style=\"white-space: pre-wrap;\">© Anachron Sounds</span></figcaption></figure>","tags":["Musik"],"authors":["Roman Jasiek"],"feature_image":"https://storage.ghost.io/c/90/34/9034555f-2939-4c04-8b42-89dcff4387d3/content/images/2026/09/IMG_1416.JPG","archived_at":"2026-10-04T09:40:47.318Z","photos":{"2026/09/IMG_1416.JPG":"ar://RWO3uRi98ugJ3Ys6WdCjIdHLGqsE5m8tPuawqSkZya0"}}